Feministische Prinzipien des Internets

Die Feministischen Prinzipien des Internets bzw. Feminist Principles of the Internet
umfassen 18 Vorschläge, wie das Internet als „Internet für Alle“ gestaltet werden kann.
Die Prinzipien behandeln Fragen rund um

– Zugang, Design, Ökonomie und Ökologie
(1: Zugang zum Internet, 2: Zugang zu Informationen, 3: Mitarbeit am Design der Technologien und Programmierung/Coding, 7: alternative/solidarische und ökologische Ökonomien, 18 bzw. 7a – ergänzt 2023: Umwelt/Environment – als Entwurfsfassung/Draft)

– Verkörperung/Embodiment, Digitale Gewalt und Selbstverteidigung
(12: Konsens, 13: Privatsphäre und Daten, 14: Speicher und Erinnerung, 15: Anonymität, 16: Kinder und Jugendliche, 17: Online Gewalt)

– Soziale Bewegungen und Partizipation in Öffentlichkeiten
(4: Widerstand, 5: Aufbau von Gemeinschaften und Bewegungen, 6: Netzpolitik/Internet Governance, 9: Stärkung des feministischen Diskurses, 10: Meinungsfreiheit, 11: Pornografie und „bedenkliche Inhalte“)

Ziel der Prinzipien ist es, den internationalen feministischen Bewegungen ein Rahmenkonzept zur Verfügung zu stellen, mit dem Digitalisierungs-bezogene Themen analysiert und Positionen formuliert werden können.
Die Prinzipien wurden erstmalig 2014 bei der Veranstaltung „Imagine a Feminist Internet“ („Stell dir ein feministisches Internet vor“) formuliert.
Die Autor*innen der ersten Fassung waren 50 Aktivist*innen, die sich für sexuelle, digitale und Frauen*rechte und in Anti-Gewalt-Projekten engagieren. Die Veranstaltung wurde – ebenso wie das Folgetreffen 2015, auf dem die Prinzipien von einer weiteren, international zusammengesetzten Gruppe von 40 Aktivist*innen überarbeitet wurden – von der Association for Progressive Communications (Organisation für progressive Kommunikation) organisiert.
Online findet sich derzeit die in 2023 aktualisierte Version der Prinzipien. Sie wurde in Workshops, auch auf lokaler Ebene, in unterschiedlichen Regionen der Welt diskutiert. Alle Interessierten sind eingeladen, an der Weiterentwicklung der Prinzipien mitzuarbeiten.
Auf der englischsprachigen Website finden sich neben den Feminist Principles of the Internet die  Argumente für ihre Begründung sowie weiterführende Informationen, Artikel und Hinweise auf Organisationen und Bildungsmaterialien.

Hier findet ihr die deutsche Übersetzung der Feministischen Prinzipien des Internets (Fassung von 2015, noch ohne „Umwelt/Environment“).

In der Präambel zu den Prinzipien wird festgestellt:

„Ein feministisches Internet ist dazu da, Frauen und queere Menschen – in all unseren Verschiedenheiten – zu ermächtigen, unsere Rechte in vollem Umfang zu genießen, Vergnügen zu empfinden, uns an Spielen zu beteiligen und das Patriarchat zu demontieren. Dazu gehören all unsere verschiedenen Realitäten, Kontexte und Besonderheiten –einschließlich Alter, Behinderungen, Sexualitäten, Geschlechtsidentitäten und Ausdrucksformen von Geschlecht, sozioökonomischer Verortung, politischer und religiöser Überzeugungen, ethnischer Herkunft und rassifizierender Zuschreibungen.“ (übersetzt von Cornelia Sollfrank)