Bloggen am Tag der Arbeit? – Blogschau April

Diesen Rückblick auf die feministische Blogosphäre im Monat April schreibe ich heute am 1. Mai – am Tag der Arbeit*. Obwohl heute ein Feiertag ist, arbeite ich kurz noch ne Runde, bevor ich mich gleich der 1.Mai online-Demo des DGB anschließe. By the way: das ist dann seit meiner ersten online-Demo im März (#LeaveNoOneBehind) inzwischen meine vierte online-Demo (nach der 2. #LeaveNoOneBehind-Demo am 19.4 und dem Netzstreik für’s Kima am 24.4.) – ihr seht, ich komme langsam in Übung.
Viele Menschen hierzulande – insbesondere Frauen* und Menschen in prekären Situationen – arbeiten an Feiertagen ja sowieso: z.B. in Krankenhäusern, in der Altenpflege, der Reinigung oder in der Betreuung von Kindern beispielsweise. Sie arbeiten im Care- bzw. Sorge-Bereich in regulären oder ungesicherten Verhältnissen, „ehrenamtlich“ oder vergütet, mit oder ohne Urlaubsanspruch, Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Eine Gruppe, die in diesen Care-Tätigkeiten stark vertreten ist und die derzeit komplett durch das soziale Netz fällt, ist die Gruppe der Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Am 25.4. gab es deshalb den Aktionstag #LEGALISIERUNGJETZT, mit dem die Initiative Respect Berlin und das Netzwerk Solidarity City die Legalisierung aller Migrant*innen ohne Papiere in Deutschland fordert. Sie rufen auch dazu auf, für die Menschen, die derzeit ihre Jobs verlieren und vor dem Nichts stehen, zu spenden.

Im April war in vielen Blogposts das Thema Arbeit zentral – neben der Corona-Krise oder auch in Verbindung damit. Das ist aus einer intersektional-feministischen Perspektive, die sich schon lange mit der Care- bzw. Sorgearbeit auseinandersetzt, naheliegend. Viele der Blogposts machen auch darauf aufmerksam, dass sich in der aktuellen Krise die bestehenden Macht- und Ungleichheitsverhältnisse noch verschärfen. Sie zeigen auf, inwiefern die Pandemie bzw. die damit verbundenen Maßnahmen Frauen*, Mädchen*, Inter*- und Transpersonen besonders hart treffen, insbesondere wenn sich die geschlechtsbezogene Benachteiligung noch mit anderen Diskriminierungsformen verschränkt, wie dies z.B. bei rassistisch markierten Personen, bei queeren, obdachlosen und geflüchteten Menschen, bei Personen ohne Aufenthaltsstatus, bei denjenigen, die in Armut leben und auch bei Menschen, die durch die gesellschaftlichen Strukturen be-hindert oder ver-rückt werden, der Fall ist.
Auch im April gibt es Posts mit politischen Analysen und mit Informationen über Initiativen, Kampagnen und Forderungen an die Politik – auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Darüberhinaus bieten einige Blogs coole Film- und Buchtipps sowie persönliche Einblicke in den feministischen Alltag „in Zeiten von Corona“, in denen mitunter auch Wut eine Rolle spielt.
Bevor ich euch zu den Blogposts weiter leite, hier noch kurz der Hinweis auf drei Blogs, die ich im April 2020 neu entdeckt habe.

Neuentdeckungen
Die qonda Schriftstellerin Sabine de Martin verzaubert und verblüfft auf ihrem Blog  mit literarischen, fotografischen und Videoarbeiten. Einige ihrer Texte trägt sie dort auch vor und begleitet sich selbst dabei mit der Gebärdensprache. In diesem Video spricht_gebärdet sie darüber, was das eigentlich ist, eine „Qonda-Schriftstellerin“.
In dem Gemeinschaftsblog Kennst du das…? schreiben Lotte und Mara einander „Briefe über Macht, Körper und Sexualität“. Da geht es z.B. um die Corona-Schockstarre, die Rächer von Moni und den Fantasie-Killer Kapitalismus. Ich finde es toll, an ihrem Austausch teilhaben zu dürfen: sehr informativ UND inspirierend! Super auch die Podcasts-Tipps unter „lauschen“. Über den Blogroll „lesen“ bin ich dann auf diesen Blog gestoßen:
Little Feminist Blog ist das Blog von Laura Melina Berling, die u.a. über Körper, Sexualität, psychische Gesundheit und Sexualpädagogik schreibt. Sie nutzt ihr Blog, um, wie sie sagt, „bestmöglich für einen (queeren und intersektionalen) Feminismus, gegen Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus, Sexismus, Ableismus, Bodyismus und generell jeden blöden Ismus, Trans- und Homo-, Bifeindlichkeit einzustehen.“ Dafür lässt sie auf dem Blog verschiedene Stimmen zu Wort kommen. Sie stellt regelmäßig die Arbeit von anderen Feminist*innen vor. Im April hat sie diese zwei Interviews geführt:
1. mit Regina Adjoa (@reginadjoa), die in der politische Bildung arbeitet, die u.a. über Körper, Diskriminierung, Rassismus, Kolonialgeschichte, Sexismus und Menschenrechte schreibt und die ihre fotografisch-künstlerische Arbeit auf Instagram präsentiert.
2. mit Souzan AlSabah, die in der intersektionalen Gesundheits- und Präventionsarbeit tätig ist und 2012 zusammen mit anderen Frauen* das Frauen-* und Mädchen-* Gesundheitszentrum Holla e.V. gegründet hat, das insbesondere Sexismus & (anti-muslimischen) Rassismus fokussiert.

Jetzt aber zur Blogschau April – nach Themen sortiert:
Auch wenn Arbeit, Politik, Wut und Kultur oft miteinander verschränkt und verwoben sind, habe ich versucht, die Blogposts entlang dieser Begriffe  zu sortieren. Ich wünsche euch viel Spaß und erhellende Momente beim Stöbern in den Texten!
Und wie immer gilt: ich habe garantiert so Einiges übersehen. Deshalb freue ich mich über Hinweise, Feedback und Kommentare.

Arbeit
Politik und politische Initiativen – im Kontext von Corona und anderer Krisen
Wut
Kultur

Für einen chronologischen und umfassenderen Rückblick auf feministische Blogposts der letzten Zeit siehe den Twitter Account Feminismus.

Und last but not least ein riesengroßer Dank an Emma Sosa Moreno, die die Illustration für diesen Blogpost gestaltet hat. GRACIAS, amiga!

*Aus diversen Gründen habe ich den Post erst am 17.5. veröffentlichen können, hoffe, ihr seht es mir nach;).