#WirWollenUnsLebendUndFrei

„Mit meinem Blog hab ich mir selber ein Geschenk gemacht,“ sagt eine der Bloggerinnen*, die ich für meine Studie zum feministischen Bloggen interviewt habe. Sie spricht mir damit aus dem Herzen. Erstens ist ihr Blog für mich auch ein Geschenk, weil sie dort viele spannende Anregung zum Kreativen Schreiben online stellt. Zweitens empfinde ich auch selbst das Bloggen als ein Geschenk, weil es mir die Gelegenheit gibt (und mich auch ein bisschen dazu „zwingt“), regelmäßig in der deutschsprachigen feministischen Blogosphäre „unterwegs zu sein“ und hier alle zwei Monate kurz ein paar Lektüre- und Linktipps für euch zusammen zu fassen.
So here weg go – zur „Blogschau Januar und Februar 2021“, bei der ich den Schwerpunkt auf diese Themen lege:

#Hanau #SayTheirNames – Gedenken an die Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau und Solidarität mit den Überlebenden und Hinterbliebenen
#MyBodyIsNotYourPorn – Proteste gegen sexualisierte Gewalt beim Festival Monis Rache
#WirWollenUnsLebend #NetzwerkGegenFeminizide – Feminist*innen fordern Aufklärung und effektiven Schutz
Equal Care Day und feministischer Streik – Ausblick auf den März 2021

Einige der Blogposts (Podcasts & Tweets), die ihr oben verlinkt findet, reflektieren die fortdauerende Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Leben von FLINTA* (Frauen, Lesben, inter-, nonbinären, trans- und asexuellen Personen). Hier möchte ich vorab schon auf einen Post, einen Tweet und einen Podcast hinweisen, die die Situation von besonders marginalisierten, unsichtbar-gemachten und vulnerablen Menschen thematisieren:
In den „Lager Reports“ des International Women* Space berichten geflüchtete Frauen*, die gezwungen sind, in Sammelunterkünften zu leben, davon, wie die Pandemie sich auf ihr Leben und das ihrer Kinder dort auswirkt, so z.B. auch im Hinblick auf drohende Abschiebungen, Schulbesuch und Gesundheitsversorgung.
Am 24.2. twitterte Rebecca Maskos: Es werden jetzt Erzieherinnen, Lehrer*innen und Obdachlose geimpft. Absolut sinnvoll! Nur: Was ist eigentlich so schwer daran, endlich behinderten und chron. kranken Menschen unter 60 reinzulassen?! Nach 1 Jahr Isolation fühle ich mich so unsichtbar und unhörbar wie noch nie.
In der zweiten Folge des Podcasts vom feministischen Streik mit dem Titel „Illegalisiert und organisiert – der Kampf von Hausarbeiterinnen in Berlin“ sprechen Selvi und Ella von Kali Feminists mit Llanquiray Painemal, „die sich seit über zwanzig Jahren mit migrantischen Frauen* organisiert und um ihre Rechte kämpft, zuletzt mit der Kampagne ‚Legalisierung Jetzt!‘ Welche Hürden im Alltag illegalisierter Menschen in Berlin bestehen, wie Kämpfe online und offline geführt werden können, was sie dafür von Gewerkschaften bräuchten oder was sich in Portugal und Spanien schon verändert hat – in all das und noch mehr gibt Llanquiray spannende Einblicke und fordert auf zu gelebter Solidarität,“ so die Autorinnen* des Podcasts.

Solidarität ist Notwendigkeit & Geschenk zugleich
Vielleicht fragt ihr euch, wieso ich so krasse, traurige und ernste Themen wie Frauenmorde/Feminizide, (digitale) sexualisierte Gewalt, den rechtsterroristischen Anschlag von Hanau und die rassistischen Strukturen in Staat und Gesellschaft mit dem Bild von Geschenken illustriere? Das passt doch nicht zusammen, denkt ihr vielleicht? Stimmt. Als ich Emma Sosa Moreno Ende Januar das Stichwort „Geschenk“ als Thema für die Illustration zu diesem Post schickte, hatte ich vor allem die oben zitierten Worte der Bloggerin im Kopf und den Plan, in diesem Post die Metapher vom Bloggen als Geschenk zu fokussieren. Im Laufe des Monats habe ich meinen Plan verändert.
Und zugleich denke ich, dass ich schon seit längerem so viel emanzipatorische Vernetzung und Mobilisierung beobachte (Stichworte: #BlackLivesMatter, #SayTheirNames, #Halle, #Hanau, #Frauenstreik, #SafeAbortion, #LegalisierungJetzt, #4GenderStudies, #LeaveNoOneBehind, #Mittelmeer, #Unteilbar, #WirWollenUnsLebend, #NiUnaMenos, #NetzwerkGegenFeminizide, #migrantifa, etc.), und dass ich diese Solidarität, die sich da zeigt, als großes Geschenk empfinde.
Klar, angesichts der zunehmenden – und unter Pandemiebedingungen noch verschärften – Gewalt und Diskriminierung, sind Solidarisierung und Organisierung auch einfach eine Notwendigkeit. Denn wie Sibel Schick in ihrer Missy-Kolumne unter dem Titel „Zwölf Monate Hanau“ schreibt:
„Nicht alle können unpolitisch leben. Manche müssen einfach nur leben, um als politisch zu gelten, um politisiert zu werden. Der Spruch ‚Lebe so, dass Nazis ein Problem damit haben‘ ist für manche leicht zu verwirklichen: Sie müssen nur atmen. Sie müssen nur in einem Café sitzen oder in einem Kiosk stehen. Sie müssen sich gerade etwas zu essen bestellt haben. Und schon sind sie eine Zielscheibe.“

Mit diesem Blogpost möchte ich auch
die Erinnerung an euch,
Mercedes Kierpacz
Kaloyan Velkov
Said Nesar Hashemi
Hamza Kurtović
Fatih Saraçoğlu,
Sedat Gürbüz
Vili Viorel Păun
Gökhan Gültekin
und Ferhat Unvar
lebendig halten.

Sibel fragt in ihrer Kolumne, was sich seit Hanau in Deutschland verändert habe und findet: „Nicht viel, zumindest nicht zum Besseren.“ Da stimme ich ihr zu.
Und gleichzeitig ist da diese Solidariät. Deshalb teile ich auch den zweiten Teil ihrer Antwort bzw. Einschätzung:
„Aber das wird es. Wir sind ja auch noch nicht fertig.“

Wir machen weiter.
Denn wir wollen uns lebend und frei.

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