Geschichten erzählen für’s Über_Leben …

… von einem Zimmer für sich allein,
… von Wohnungslosigkeit und toxischer Männlichkeit,

… von bezahlbarem Wohnraum für alle,
… von ‚shared spaces‘ geflüchteter Frauen* und Migrant*innen und

vom Geschichten-Erzählen für (irdisches) Über_Leben
„Eine Frau muss Geld haben und ein Zimmer für sich allein, wenn sie Fiction schreiben will.“ Diese These, die Virginia Woolf vor knapp hundert Jahren, 1929, in ihrem Essay „Ein Zimmer für sich allein“ überzeugend begründet hat, trifft heute immer noch zu. Und sie lässt sich gut auf’s Bloggen übertragen, finde ich. Zumindest kann ich selbst am besten bloggen, wenn mein Lebensunterhalt gesichert ist und wenn ich beim Schreiben ungestört bin. Klar, heute gibt es auch FLINTA* (Frauen*, Lesben, Inter-, Nicht-binäre, Trans-, Agender-Personen*), die „vom Schreiben leben“ können. Und ich kenne einige, die sich auch in Gesellschaft gut konzentrieren und z.B. Masterarbeiten im Café, Reportagen im Co-Workingspace oder Prosa im Park schreiben können. Aber das Prinzip, auf das Virginia Woolf hingewiesen hat, dass die ökonomische Basis und die räumliche Situation „stimmen“ müssen, um schreibend und kreativ tätig zu werden, dieses Prinzip gilt wohl immer noch.
Womit wir mitten im Thema dieser Blogschau für Mai und Juni 2021 wären: Weiterlesen

Schreiben um zu sein

„Wir schreiben, um zu begreifen. Wir schreiben, um zu schreiben. Wir schreiben, um zu sein“, schreiben Hannah C. Rosenblatt auf „Ein Blog von Vielen“ und bringen damit zum Ausdruck, was auch ich oft empfinde: dass das Schreiben helfen kann, mir über etwas klar zu werden, etwas zu verstehen. Es kann auch helfen, „in die Welt zu treten“, sichtbar_er zu werden und – vielleicht auch für uns selbst – deutlicher vernehmbar, lebendig_er zu werden. Schreiben hat auch einen Wert für sich („schreiben, um zu schreiben“): Manche von uns tun es einfach nur, um es zu tun – und vielleicht auch ein bisschen, weil es Spaß macht und gut tut.
Zum Verstehen gehört bei mir auch das Schreiben. Das Schreiben ist Teil des Verstehensprozesses, sagt Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus (1964) und betont damit die heuristische, die Erkenntnis-produzierende Funktion des Schreibens. Von diesen und weiteren Motiven und Funktionen des Schreibens berichten feministische Blogger*innen in den Interviews in diesem Projekt und auch auf in ihren Blogposts, hier findet ihr eine Auswahl.
Der Schwerpunkt dieser Blogschau März und April 2021 liegt auf dem Schreiben – und damit meine ich das Schreiben in allen Genres. Weiterlesen

#WirWollenUnsLebendUndFrei

„Mit meinem Blog hab ich mir selber ein Geschenk gemacht,“ sagt eine der Bloggerinnen*, die ich für meine Studie zum feministischen Bloggen interviewt habe. Sie spricht mir damit aus dem Herzen. Erstens ist ihr Blog für mich auch ein Geschenk, weil sie dort viele spannende Anregung zum Kreativen Schreiben online stellt. Zweitens empfinde ich auch selbst das Bloggen als ein Geschenk, weil es mir die Gelegenheit gibt (und mich auch ein bisschen dazu „zwingt“), regelmäßig in der deutschsprachigen feministischen Blogosphäre „unterwegs zu sein“ und hier alle zwei Monate kurz ein paar Lektüre- und Linktipps für euch zusammen zu fassen.
So here weg go – zur „Blogschau Januar und Februar 2021“, bei der ich den Schwerpunkt auf diese Themen lege:
#Hanau #SayTheirNames – Gedenken an die Opfer des rassistischen Anschlags von Hanau und Solidarität mit den Überlebenden und Hinterbliebenen
#MyBodyIsNotYourPorn – Proteste gegen sexualisierte Gewalt beim Festival Monis Rache
#WirWollenUnsLebend #NetzwerkGegenFeminizide – Feminist*innen fordern Aufklärung und effektiven Schutz
Equal Care Day und feministischer Streik – Ausblick auf den März 2021

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#MigrationIstDieMutterDerMenschheit

Die Menschenrechte sind unteilbar.
Eine etwas andere Blogschau auf November & Dezember 2020

#LeaveNoOneBehind

Es soll ja Leute geben, die finden, Migration sei die Mutter aller Probleme. Ich sehe das anders. Ich bin der Überzeugung: Migration ist die Mutter der Menschheit.
Denn seit Menschengedenken migrieren Menschen. Oder anders gesagt: wenn die ersten Menschen sich nicht auf den Weg gemacht hätten, die Erde zu bevölkern, dann gäbe es uns hier in Europa gar nicht. Die Geschichte der Menschheit ist ohne Migration nicht denkbar.
Deshalb habe ich ein Problem damit, wenn Menschen, die migrieren oder die vor Krieg und Unfreiheit fliehen, kriminalisiert werden. Deshalb habe ich ein Problem damit, wenn ihre Menschenrechte missachtet werden. Und wenn ihr Tod, z.B. im Mittelmeer oder auf der Balkanroute, billigend in Kauf genommen wird…

#Lipa

Es ist der 31.12.2020. Ich sitze bei meinem Morgenkaffee und höre die Neun-Uhr-Nachrichten im Deutschlandfunk. Die Stimme aus dem Radio sagt: „In Bosnien haben hunderte Flüchtlinge die Nacht in dem abgebrannten Lager Lipa verbracht. Weiterlesen

#4GenderStudies: Rassistische Strukturen in der Lehre überwinden

Gracias Gaby!
„Ihr Europäer denkt doch immer noch, ihr wärt der Nabel der Welt! Es wird höchste Zeit, diese Weltsicht über den Haufen zu werfen! Schau hin: Da sind die Geschichten und das Wissen der Menschen, die unter Kolonialismus und Ausbeutung gelitten haben. Und immer noch unter den Folgen leiden. Die sich auflehnen, immer schon aufgelehnt haben. Da müsst ihr jetzt mal zuhören. Ihr müsst UNS jetzt mal zuhören!“
Diese Worte der mexikanischen Journalistin Gabriela E. Bermudez Santos aus dem Jahr 1995 klingen noch heute in mir nach. Sie haben mich damals ziemlich vor den Kopf gestoßen. Sie haben mich heilsam durcheinander geschüttelt. Mich ins Nachdenken gebracht. Weiterlesen

#SafeAbortion und #LegalisierungJetzt

Blogschau September und Oktober 2020
In den letzten zwei Monaten waren Sichtbarkeit und Legalisierung zwei wichtige Themen in den feministischen Blogosphären.
So ging es um die Sichtbarkeit von Menschen, die in der Mehrheitsgesellschaft und den Medien meist nicht wahrgenommen, nicht mitgedacht und nicht angehört werden: Menschen ohne Aufenthaltsstatus und Menschen auf der Flucht vor Hunger, Krieg und Verfolgung. Mit ihren europaweiten Kampagnen #LegalisierungJetzt und #LeaveNoOneBehind fordern sie ihr „Recht auf Rechte“ (Arendt) und ein Leben in Würde und Sicherheit. Und erinnern daran, dass die Menschenrechte unteilbar sind. Viele der Aktivist*innen, die die Kampagnen mittragen, sind engagierte Frauen*, die eine feministische Perspektive in die antirassistischen Bewegungen einbringen. Sie machen darauf aufmerksam, dass gerade FLINT*-Personen (Frauen*LesbenInterNonbinäre & Trans-Personen) mit einem ungesicherten bzw. illegalisierten Aufenthaltsstatus in besonderer Weise verletzlich und von Gewalt und Ausbeutung bedroht sind.
Die Kampagne #LegalisierungJetzt wurde von einem Bündnis von ca. 50 Organisationen Anfang Oktober gestartet, um auf die Situation von illegalisierten Menschen bzw. Menschen ohne Aufenthaltsstatus aufmerksam zu machen. Beteiligt sind u.a. auch die Initiativen Respect Berlin und Casita, deren Sprecherinnen – einige von ihnen trotz ungesicherten Aufenthalts – den Schritt in die Öffentlichkeit getan haben, um politische und rechtliche Lösungen für eine dauerhafte Legalisierung zur Diskussion zu stellen und einzufordern.
Hier habe ich ein paar Links zur Kampagne #LegalisierungJetzt zusammengestellt.

Aktuelle Informationen zur Kampagne #LeaveNoOneBehind und #EvakuateNow – auch im Nachgang zum Brand im Lager Moria auf Lesbos – findet ihr auf der Seite der Seebrücke .

Rund um den #SafeAbortion Day am 28.September und mit den landesweiten Protesten gegen die Verschärfung des Abtreibungsrechts in Polen #StrajkKobiet Ende Oktober, ergreifen Frauen* und ihre Verbündeten das Wort, machen ein weiterhin tabuisiertes Thema öffentlich und fordern das Recht auf einen sicheren, legalen und kostenlosen Schwangerschaftsabbruch. Dazu gehört auch das Recht von Gynäkolog*innen, auf ihren Webseiten über ihr entsprechendes Angebot zu informieren.
Hier findet ihr einige Beiträge zum Thema.

Und dann war da ja noch … weiterlesen

Selbstverteidigung, Sichtbarkeit & Solidarität – #SayHerName #BreonnaTaylor

Blogschau Juni bis August 2020
Drei heiße Sommermonate liegen hinter uns: was war los in der Welt und in den hiesigen feministischen Blogosphären?
Hier kommt meine subjektive Auswahl von Blogposts aus den Monaten Juni, Juli & August 2020.
Wenn ihr gern ausführlicher stöbern wollt, empfehle ich den Twitter-Account Feminismus.de , der auf alle feministischen Blogs in Deutschland verlinkt, die der Redaktion bekannt sind: „Auch solche, die wir lieber nicht im Feminismus haben wollen. Daher Triggerwarnung.“
Zunächst ein großes „Gracias!“ an Emma Sosa Moreno für die Illustration zu diesem Blogpost. Ich hatte Emma das Thema Selbstverteidigung geschickt und das obige Bild ist ihre gestalterische Antwort. … die wiederum neue Assoziationen in mir weckt … zum Beispiel: Aufstieg. … was wiederum sehr gut zu einer feinen fantastischen Geschichte von Sabine de Martin passt – über einen besonderen Ausstieg aus der Wohnungslosigkeit und einen Aufstieg auf die Dächer der Stadt.

Warum Selbstverteidigung? … und Sichtbarkeit, Solidariät, #SayHerName & #BreonnaTaylor?
Hier findet ihr Antworten in feministischen Blogposts zu den Themen:

P.S.: Meine Neuentdeckungen:
Katharina Tolle startet auf ich gebäre eine Blogpost-Serie und fragt „Was hat Geburt mit Feminismus zu tun?“

P.P.S. Es gibt Neues in der Rubrik Blogger*innen über das Bloggen:

  • Thi Yenhan Truong aka @Naekubi erklärt auf danger bananas, warum sie gut zwei Jahre nicht gebloggt hat und jetzt wieder damit beginnt.
  • Auf ihrem Blog Was man so nicht sagen darf feiert Paula Deme den 5. Geburtstag des Blogs und denkt schreibend darüber nach, was sie zum Bloggen motiviert hat, wo das Bloggen sie hingeführt hat und wie sich ihr Feminismusverständnis in dem Zeitraum und Zusammenhang verändert hat.
  • Kirsten Alers fragt im Beitrag vom 24.8. auf Wortwechsel „Warum mache ich das hier?“  und gibt Einblick in ihre – nach Innen und nach Außen gerichtete – Selbstbefragung im montäglichen Bloggen.

„Wir schlagen unseren Faden in ein Netz der Beziehungen“

Blogschau Mai 2020
„Wir schlagen unseren Faden in ein Netz der Beziehungen. Was daraus wird, wissen wir nie.“ Diese Metapher, die Hannah Arendt 1964 in einem Fernsehinterview mit Günter Gaus verwendet, um ihr politisches Denken und Handeln zu beschreiben, lässt sich gut auf das feministische Bloggen übertragen, finde ich. Bloggend knüpfen wir unsere Gedanken-, Erfahrungs-, Ideen- und Text-Fäden ins Internet. Was weiter damit passiert, wissen wir nicht. Vielleicht werden die Fäden aufgegriffen und weitergeknüpft. Vielleicht bleiben sie als lose Fäden im World Wide Web hängen, irgendwie „lost in space“ oder auch einfach schwerelos schwebend bis irgendwann, eines Tages – eine Spinne sie in ihr Netz verspinnt. Oder ein neuer Faden von woanders heran geweht wird und in der Verknüpfung etwas Neues entsteht.

#BlackLivesMatter: Auch die Schwarze Community schlägt Fäden ins Netz der Beziehungen – weltweit. Hier verbünden sich Menschen, um sich gemeinsam gegen den grassierenden, teils tödlichen und immer toxischen Rassismus zu schützen und zur Wehr zu setzen. Der Mord an George Floyd in den USA macht mich fassungslos, wütend und traurig. Die Proteste gegen rassistische Polizeigewalt und Rassismus in den USA und auch hier in Deutschland und in vielen anderen Ländern machen mir Mut.
Weiterhin wütend und erschüttert bin ich darüber, dass die Flüchtlings-Lager auf den griechischen Inseln und die Sammelunterkünfte hier in Deutschland, trotz der menschenrechtswidrigen Zustände dort und der fortgesetzten Corona-Pandemie, immer noch nicht evakuiert sind. #LeaveNoOneBehind #EvacuateNow

In dieser Blogschau zum Monat Mai will ich einige Fäden, die ich in den feministischen Blogosphären gefunden habe, aufgreifen und hier kurz „highlighten“. Vielleicht bekommt ihr Lust, auf den entsprechenden Blogs weiter zu lesen. Zur besseren Übersichtlichkeit, habe ich die Blogpost-Fäden zu folgenden Themenknäueln zusammengebunden:
Rassistische Polizeigewalt, Schwarzer Widerstand und Gerechtigkeit für George Floyd
Rassismus und Heterosexismus in Deutschland
Ein feministisches Internet & Digitalisierung
Hannah Arendt
Die Coronakrise aus feministischer Perspektive

Wie immer ist dies nur eine subjektive, begrenzte Auswahl. Nutzt gerne die Kommentarspalte für Ergänzungen. Für einen ausführlicheren Überblick über feministische Blogposts siehe Feminismus.de https://twitter.com/feminismusde auf Twitter.
P.S.: Worüber ich mich im letzten Monat sehr gefreut habe? Der erste Kommentar ist auf diesem Blog hier gelandet und hat ihn mit DUNKELLILA verknüpft. Lest dort mal rein, es lohnt sich!
P.P.S.: Tausend Dank an Emma Sosa Moreno für die Illustration und an alle Kolleg*innen und Freund*innen, die mir mit ihrem Feedback zu diesem Blog helfen, das Projekt weiter zu entwickeln.
P.P.P.S. Es gibt Neues in der Rubrik Bloggerinnen über das Bloggen: Für Nadia Shehadeh ist das Bloggen  – manchmal – „nur ein Hobby“.

Bloggen am Tag der Arbeit?

Blogschau April
Diesen Rückblick auf die feministische Blogosphäre im Monat April schreibe ich heute am 1. Mai – am Tag der Arbeit*. Obwohl heute ein Feiertag ist, arbeite ich kurz noch ne Runde, bevor ich mich gleich der 1.Mai online-Demo des DGB anschließe. By the way: das ist dann seit meiner ersten online-Demo im März (#LeaveNoOneBehind) inzwischen meine vierte online-Demo (nach der 2. #LeaveNoOneBehind-Demo am 19.4 und dem Netzstreik für’s Kima am 24.4.) – ihr seht, ich komme langsam in Übung.
Viele Menschen hierzulande – insbesondere Frauen* und Menschen in prekären Situationen – arbeiten an Feiertagen ja sowieso: z.B. in Krankenhäusern, in der Altenpflege, der Reinigung oder in der Betreuung von Kindern beispielsweise. Sie arbeiten im Care- bzw. Sorge-Bereich in regulären oder ungesicherten Verhältnissen, „ehrenamtlich“ oder vergütet, mit oder ohne Urlaubsanspruch, Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Eine Gruppe, die in diesen Care-Tätigkeiten stark vertreten ist und die derzeit komplett durch das soziale Netz fällt, ist die Gruppe der Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Am 25.4. gab es deshalb den Aktionstag #LEGALISIERUNGJETZT, mit dem die Initiative Respect Berlin und das Netzwerk Solidarity City die Legalisierung aller Migrant*innen ohne Papiere in Deutschland fordert. Sie rufen auch dazu auf, für die Menschen, die derzeit ihre Jobs verlieren und vor dem Nichts stehen, zu spenden.

Im April war in vielen Blogposts das Thema Arbeit zentral – neben der Corona-Krise oder auch in Verbindung damit. Das ist aus einer intersektional-feministischen Perspektive, die sich schon lange mit der Care- bzw. Sorgearbeit auseinandersetzt, naheliegend. Viele der Blogposts machen auch darauf aufmerksam, dass sich in der aktuellen Krise die bestehenden Macht- und Ungleichheitsverhältnisse noch verschärfen. Sie zeigen auf, inwiefern die Pandemie bzw. die damit verbundenen Maßnahmen Frauen*, Mädchen*, Inter*- und Transpersonen besonders hart treffen, insbesondere wenn sich die geschlechtsbezogene Benachteiligung noch mit anderen Diskriminierungsformen verschränkt, wie dies z.B. bei rassistisch markierten Personen, bei queeren, obdachlosen und geflüchteten Menschen, bei Personen ohne Aufenthaltsstatus, bei denjenigen, die in Armut leben und auch bei Menschen, die durch die gesellschaftlichen Strukturen be-hindert oder ver-rückt werden, der Fall ist.
Auch im April gibt es Posts mit politischen Analysen und mit Informationen über Initiativen, Kampagnen und Forderungen an die Politik – auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Darüberhinaus bieten einige Blogs coole Film- und Buchtipps sowie persönliche Einblicke in den feministischen Alltag „in Zeiten von Corona“, in denen mitunter auch Wut eine Rolle spielt.
Bevor ich euch zu den Blogposts weiter leite, hier noch kurz der Hinweis auf drei Blogs, die ich im April 2020 neu entdeckt habe.

Neuentdeckungen
Die qonda Schriftstellerin Sabine de Martin verzaubert und verblüfft auf ihrem Blog  mit literarischen, fotografischen und Videoarbeiten. Einige ihrer Texte trägt sie dort auch vor und begleitet sich selbst dabei mit der Gebärdensprache. In diesem Video spricht_gebärdet sie darüber, was das eigentlich ist, eine „Qonda-Schriftstellerin“.
In dem Gemeinschaftsblog Kennst du das…? schreiben Lotte und Mara einander „Briefe über Macht, Körper und Sexualität“. Da geht es z.B. um die Corona-Schockstarre, die Rächer von Moni und den Fantasie-Killer Kapitalismus. Ich finde es toll, an ihrem Austausch teilhaben zu dürfen: sehr informativ UND inspirierend! Super auch die Podcasts-Tipps unter „lauschen“. Über den Blogroll „lesen“ bin ich dann auf diesen Blog gestoßen:
Little Feminist Blog ist das Blog von Laura Melina Berling, die u.a. über Körper, Sexualität, psychische Gesundheit und Sexualpädagogik schreibt. Sie nutzt ihr Blog, um, wie sie sagt, „bestmöglich für einen (queeren und intersektionalen) Feminismus, gegen Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus, Sexismus, Ableismus, Bodyismus und generell jeden blöden Ismus, Trans- und Homo-, Bifeindlichkeit einzustehen.“ Dafür lässt sie auf dem Blog verschiedene Stimmen zu Wort kommen. Sie stellt regelmäßig die Arbeit von anderen Feminist*innen vor. Im April hat sie diese zwei Interviews geführt:
1. mit Regina Adjoa (@reginadjoa), die in der politische Bildung arbeitet, die u.a. über Körper, Diskriminierung, Rassismus, Kolonialgeschichte, Sexismus und Menschenrechte schreibt und die ihre fotografisch-künstlerische Arbeit auf Instagram präsentiert.
2. mit Souzan AlSabah, die in der intersektionalen Gesundheits- und Präventionsarbeit tätig ist und 2012 zusammen mit anderen Frauen* das Frauen-* und Mädchen-* Gesundheitszentrum Holla e.V. gegründet hat, das insbesondere Sexismus & (anti-muslimischen) Rassismus fokussiert.

Jetzt aber zur Blogschau April – nach Themen sortiert:
Auch wenn Arbeit, Politik, Wut und Kultur oft miteinander verschränkt und verwoben sind, habe ich versucht, die Blogposts entlang dieser Begriffe  zu sortieren. Ich wünsche euch viel Spaß und erhellende Momente beim Stöbern in den Texten!
Und wie immer gilt: ich habe garantiert so Einiges übersehen. Deshalb freue ich mich über Hinweise, Feedback und Kommentare.

Arbeit
Politik und politische Initiativen – im Kontext von Corona und anderer Krisen
Wut
Kultur

Für einen chronologischen und umfassenderen Rückblick auf feministische Blogposts der letzten Zeit siehe den Twitter Account Feminismus.

Und last but not least ein riesengroßer Dank an Emma Sosa Moreno, die die Illustration für diesen Blogpost gestaltet hat. GRACIAS, amiga!

*Aus diversen Gründen habe ich den Post erst am 17.5. veröffentlichen können, hoffe, ihr seht es mir nach;).

„Wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt.“ …

… oder: Feministisch Bloggen im März & „in Corona-Zeiten“
Nachdem ich im Januar noch von den totgesagten Blogs schrieb, war im März in der feministischen Blogosphäre SEHR viel los.  Hier habe ich eine Blogschau zum Monat März zusammengestellt. Wie ihr euch denken könnt, geht es in den Posts vor allem um die Corona-Krise. Aber auch die Aktionen rund um den 8.März, der rassistische Anschlag in Hanau vom 19.Februar und der Netzfeminismus sind Thema. Bevor ich die Blogschau „starte“, erlaubt mir kurz ein paar persönliche Notizen:

In diesem März habe ich gleich vier Mal ein „erstes Mal“ erlebt:
1.) Zum ersten Mal in meinem Leben war ich auf einer Online-Demonstration. Die Demo war von der Initiative Seebrücke unter dem Motto #LeaveNoOneBehind organisiert, um die sofortige Evakuierung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln zu fordern. Hier in Deutschland sind über 140 Kommunen, Städte und Bundesländer bereit, Menschen aufzunehmen. D.h. #WirhabenPlatz für Menschen in Not, die in den überfüllten Lagern derzeit besonders von COVID-19 bedroht sind. Darauf wollten wir mit der Aktion aufmerksam machen – und die Aktivitäten gehen weiter, z.B. am kommenden Sonntag mit einem bundesweiten Aktionstag Wir hinterlassen Spuren.
2.) Bei dieser Demo habe ich den ersten (eigenen) Tweet meines Lebens abgesetzt.
3.) In diesem Tweet habe ich – auch zum ersten Mal seit ich denken kann – Angela Merkel zitiert. In ihrer TV-Ansprache zur Corona-Krise am 18.3.2020 sprach sie von den Menschen, die am COVID-19 Virus sterben und sagte: „Das sind nicht einfach abstrakte Zahlen in einer Statistik. Sondern das ist ein Vater oder Großvater, eine Mutter oder Großmutter, eine Partnerin oder Partner. Es sind Menschen. Und wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt.“
Ich finde, wir sollten die Kanzlerin beim Wort nehmen. Jedes Leben und jeder Mensch zählt! Also auch das der unbegleiteten Jugendlichen und der geflüchteten Kinder und Erwachsenen an den Grenzen Europas und auf den griechischen Inseln. Und auch das der Menschen, die in den Gemeinschaftsunterkünften, Ankerzentren und Flüchtlingslagern in Deutschland und anderen europäischen Ländern unter desolaten Bedingungen und auf engstem Raum untergebracht sind.
Ich finde, wir sollten sie beim Wort nehmen und nochmals nachfragen: In dieser Zeit, in der so viel von Solidarität die Rede ist, ist es da wirklich so, dass jedes Leben zählt? Oder meint Frau Merkel nur die Menschen, die das Glück hatten, innerhalb unserer nationalen Grenzen geboren zu werden  … oder noch rechtzeitig einzuwandern, bevor Deutschland und die EU die Schotten dicht machten und die Menschenrechte im Mittelmeer ertränkten.
Wer bis heute – trotz der Kolonialgeschichte, der weltweiten Warenströme und internationalen Arbeitsteilung, trotz Internet, Digitalisierung und Klimakrise – noch nicht verstanden hatte, dass wir in einer WELT-Gemeinschaft leben, der müsste es eigentlich spätestens jetzt, angesichts Corona, verstanden haben. Wobei diese Vermutung oder Hoffnung wohl naiv ist, wenn ich an all die nationalistischen Reflexe denke, die gerade zu beobachten sind.
Die aktuell so vielbeschworene Solidarität: wo fängt die an und wo hört sie auf? Wenn ihr mich fragt: ich finde, sie ist #unteilbar und wir sollten keine Person vergessen -> #LeaveNoOneBehind.
Welches Leben zählt? Diese Frage stellt sich überall auch im Kontext von (hetero- und cis-) sexistischer und sexualisierter Gewalt. Weltweit wächst das Bewusstsein dafür, (so mein persönlicher Eindruck hier in meiner feministischen Bubble), dass das Problem der Femizide (Frauen*morde) den ganzen Globus umspannt. Dem stellen feministische Bewegungen weltweit ihre (internationale;) Solidarität entgegen. Das führt mich zu meinem vierten „Ersten Mal“:
4.) Zum ersten Mal habe ich mich an einem Frauen*Generalstreik beteiligt bzw. mich damit solidarisiert. Ich war zwar nicht vor Ort in Mexiko dabei, als Millionen Frauen* am 9.März 2020 die Unis, Schulen, Geschäfte, Fabriken, Verwaltungen, Haushalte und alle möglichen anderen (Frauen*-)Arbeits-Orte bestreikten. Über das Netz konnte ich virtuell dabei sein und ihren Aufruf, ihre Mobilisierungsvideos, Berichte und Nachrichten per Email, Telegram etc. verbreiten. In Kombination mit den Aktionen zum 8.März hierzulande war das eine sehr ermutigende Erfahrung.
An dieser Stelle möchte ich Emma Sosa Moreno danken, die viele Informationen zum Frauen*Generalstreik mit mir geteilt und die außerdem die Illustration für diesen Blogpost gestaltet hat.

Jetzt aber zur Blogschau März – nach Themen sortiert:
Corona
8. & 9. März
#Hanau
Digitales

Diese Blogschau spiegelt meine subjektive Auswahl wieder und ich habe bestimmt so Einiges übersehen. Deshalb: bitte ergänzt diese unvollständige Liste gerne unten in der Kommentarspalte.
Muchas Gracias!

Für einen chronologischen und umfassenderen Rückblick auf feministische Blogposts der letzten Zeit siehe den Twitter Account Feminismus.