„Wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt.“ …

… oder: Feministisch Bloggen im März & „in Corona-Zeiten“
Nachdem ich im Januar noch von den totgesagten Blogs schrieb, war im März in der feministischen Blogosphäre SEHR viel los.  Hier habe ich eine Blogschau zum Monat März zusammengestellt. Wie ihr euch denken könnt, ging es in den Posts vor allem um die Corona-Krise. Aber auch die Aktionen rund um den 8.März, der rassistische Anschlag in Hanau vom 19.Februar und der Netzfeminismus waren Thema. Bevor ich die Blogschau „starte“, erlaubt mir kurz ein paar persönliche Notizen:

In diesem März habe ich gleich vier Mal ein „erstes Mal“ erlebt:
1.) Zum ersten Mal in meinem Leben war ich auf einer Online-Demonstration. Die Demo war von der Initiative Seebrücke unter dem Motto #LeaveNoOneBehind organisiert, um die sofortige Evakuierung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln zu fordern. Hier in Deutschland sind über 140 Kommunen, Städte und Bundesländer bereit, Menschen aufzunehmen. D.h. #WirhabenPlatz für Menschen in Not, die in den überfüllten Lagern derzeit besonders von COVID-19 bedroht sind. Darauf wollten wir mit der Aktion aufmerksam machen – und die Aktivitäten gehen weiter, z.B. am kommenden Sonntag mit einem bundesweiten Aktionstag Wir hinterlassen Spuren.
2.) Bei dieser Demo habe ich den ersten (eigenen) Tweet meines Lebens abgesetzt.
3.) In diesem Tweet habe ich – auch zum ersten Mal seit ich denken kann – Angela Merkel zitiert. In ihrer TV-Ansprache zur Corona-Krise am 18.3.2020 sprach sie von den Menschen, die am COVID-19 Virus sterben und sagte: „Das sind nicht einfach abstrakte Zahlen in einer Statistik. Sondern das ist ein Vater oder Großvater, eine Mutter oder Großmutter, eine Partnerin oder Partner. Es sind Menschen. Und wir sind eine Gemeinschaft, in der jedes Leben und jeder Mensch zählt.“
Ich finde, wir sollten die Kanzlerin beim Wort nehmen. Jedes Leben und jeder Mensch zählt! Also auch das der unbegleiteten Jugendlichen und der geflüchteten Kinder und Erwachsenen an den Grenzen Europas und auf den griechischen Inseln. Und auch das der Menschen, die in den Gemeinschaftsunterkünften, Ankerzentren und Flüchtlingslagern in Deutschland und anderen europäischen Ländern unter desolaten Bedingungen und auf engstem Raum untergebracht sind.
Ich finde, wir sollten sie beim Wort nehmen und nochmals nachfragen: In dieser Zeit, in der so viel von Solidarität die Rede ist, ist es da wirklich so, dass jedes Leben zählt? Oder meint Frau Merkel nur die Menschen, die das Glück hatten, innerhalb unserer nationalen Grenzen geboren zu werden  … oder noch rechtzeitig einzuwandern, bevor Deutschland und die EU die Schotten dicht machten und die Menschenrechte im Mittelmeer ertränkten.
Wer bis heute – trotz der Kolonialgeschichte, der weltweiten Warenströme und internationalen Arbeitsteilung, trotz Internet, Digitalisierung und Klimakrise – noch nicht verstanden hatte, dass wir in einer WELT-Gemeinschaft leben, der müsste es eigentlich (hoffentlich) spätestens jetzt – angesichts Corona – verstanden haben. Wobei … diese meine Vermutung (oder Hoffnung) ist wohl naiv … siehe all die nationalistischen Reflexe (wie z.B. die Grenzschließungen innerhalb Europas) um uns herum…
Die aktuell so vielbeschworene Solidarität: wo fängt die an und wo hört sie auf? Wenn ihr mich fragt: ich finde, sie ist #unteilbar und wir sollten keine Person vergessen -> #LeaveNoOneBehind.
Welches Leben zählt? Diese Frage stellt sich überall auch im Kontext von (hetero- und cis-) sexistischer und sexualisierter Gewalt. Weltweit wächst das Bewusstsein dafür, (so mein persönlicher Eindruck hier in meiner feministischen Bubble), dass das Problem der Femizide (Frauen*morde) den ganzen Globus umspannt. Dem stellen feministische Bewegungen weltweit ihre (internationale;) Solidarität entgegen. Das führt mich zu meinem vierten „Ersten Mal“:
4.) Zum ersten Mal habe ich mich an einem Frauen*Generalstreik beteiligt bzw. mich damit solidarisiert. Ich war zwar nicht vor Ort in Mexiko dabei, als Millionen Frauen* am 9.März 2020 die Unis, Schulen, Geschäfte, Fabriken, Verwaltungen, Haushalte und alle möglichen anderen (Frauen*-)Arbeits-Orte bestreikten. Über das Netz konnte ich virtuell dabei sein und ihren Aufruf, ihre Mobilisierungsvideos, Berichte und Nachrichten per Email, Telegram etc. verbreiten. Das war – in Kombination mit den Aktionen zum 8.März hierzulande – eine sehr ermutigende Erfahrung.
An dieser Stelle möchte ich Emma Sosa Moreno danken, die viele Informationen zum Frauen*Generalstreik mit mir geteilt und die außerdem die Illustration für diesen Blogpost gestaltet hat.

Jetzt aber zur Blogschau März – nach Themen sortiert:
Corona
#Hanau
Digitales

Diese Blogschau spiegelt meine subjektive Auswahl wieder und ich habe bestimmt so Einiges übersehen. Deshalb: bitte ergänzt diese unvollständige Liste gerne unten in der Kommentarspalte.
Muchas Gracias!

Für einen chronologischen und umfassenderen Rückblick auf feministische Blogposts der letzten Zeit siehe den Twitter Account Feminismus.

Gibt es feministische Blogs überhaupt noch? Und Frauen und Männer? Und…

Blogs sind tot!“, finden zwei der Blogger*innen, die ich kürzlich interviewt habe. Sie sind der Auffassung, dass – im Vergleich zu ‚damals‘, zu den Hochzeiten des feministischen Bloggens, so vor ca. zehn Jahren – heute in der feministischen Blogosphäre nichts mehr los ist. Und dass die Debatten inzwischen woanders stattfinden, auf Twitter, Facebook, Instagram und so… „Aber ich blogge weiter!“ lautet gleich darauf die klare Ansage von beiden, so nach dem Motto: ‚Blogs sind tot. Es leben die Blogs!‘
Diese Lebendigkeit lässt sich in diesen Tagen beobachten: Plattform-übergreifend findet eine – sehr lebendige – feministische Debatte statt, bei der auch Blogger*innen eine Rolle spielen. Ausgelöst durch den Post Gibt es Frauen und Männer überhaupt von Antje Schrupp auf dem Blog 10nach8 diskutieren Feminist*innen auf Blogs, auf Twitter und andernsorts über einen „Uterus-Fokus“ (Stokowski) im Feminismus und reflektieren die damit verbundenen Ausblendungen und Ausschlüsse, siehe dazu z.B. den Thread von Margarete Stokowsky auf Twitter mit dem Titel „Schönen guten Tag, die Uterus- & Kinderwunsch-Nachweise mal bitte zur Kontrolle – ???Wenn im Feminismus insbesondere Menschen, die „Schwangerwerdenkönnen“ (Schrupp) fokussiert werden, würde ausgeblendet, so Stokowski, dass sich Misogynie (Frauenfeindlichkeit) nicht nur in der Diskriminierung von Schwangeren, sondern auch in anderen Bereichen wie z.B. in Gewalt und schlechter Bezahlung von Frauen* äußert. Ausschlüsse entstünden beim ‚Uterus-Fokus‘ dadurch, dass die Verschränkung von Sexismus mit anderen Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus, Klassismus, Ableismus und Transfeindlichkeit nicht berücksichtigt werde. Diese Kritik leuchtet mir ein. Einerseits.
Andererseits geht es Antje Schrupp meines Erachtens in ihrem Post erst in einem zweiten Schritt darum, das Thema ‚Schwangerwerdenkönnen‚ – und die damit verbundenen Diskriminierungen von Schwangeren und Menschen mit Kindern (und mit Uterus) – ins Blickfeld des Feminismus zu rücken.
In einem ersten Schritt geht es ihr darum, die vermeintliche Eindeutigkeit des biologischen Geschlechts bzw. einer ’natürlichen‘ Zweigeschlechtlichkeit zu hinterfragen. Sie erläutert, dass die Kategorien ‚Frau‘ und ‚Mann‘ – auch wenn es um das ‚biologische‘ Geschlecht geht – von Menschen gemachte, kulturelle Konstrukte sind und dass in Deutschland „schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen leben, die nicht eindeutig einer der beiden Seiten zugeordnet werden können“ (Schrupp). Schon im Europa der Aufklärung sei ‚die Natur‘ bei dieser Unterscheidung von ‚Frauen‘ und ‚Männern‘, so Antje Schrupp, „ein recht unzuverlässiger Ausgangspunkt (gewesen), dem mithilfe von Recht, Bildung und Medizin nachgeholfen werden musste.“ Mit Bezug auf die Arbeiten der Soziologin Oyèrónkẹ́ Oyèwùmí liefert sie zudem ein Beispiel für eine Kultur – hier die Kultur der Yoruba im vorkolonialen Nigeria –, in der nicht zwischen ‚Frauen‘ und ‚Männern‘ unterschieden wurde und in der es diese Begriffe gar nicht gab. (By the way: Kritiken zu diesem Argument greift sie auf ihrem Blog Aus Liebe zur Freiheit auf.)

Und feministische Debatten(-Kultur)?
Eine gut nachvollziehbare Darstellung der Kontroverse um den Post „Gibt es Frauen und Männer überhaut“ liefert m.E. die queer-feministische Künstlerin eve massacre auf ihrem Blog breaking the waves. eve massacre verortet sich selbst in der „Enby- und Transgenderecke“ (Enby: Abkürzung für non-binary = nicht-binär). Sie liest den Beitrag von Antje Schrupp anders als beispielsweise Margarete Stokowski, nämlich so:
„Wenn ich es richtig verstehe, liegt der Hund im Ende begraben, wo [bei Schrupp] Folgendes zu lesen ist: ‚Das feministische Projekt, das heute ansteht, bestünde hingegen darin, genau diese Personen – Menschen mit Uterus, die Kinder gebären (möchten) – als politische Subjekte zu positionieren, deren Interessen, Anliegen und Bedürfnisse nicht länger missachtet werden dürfen.‘“ Eve Masscre weiter: „Das ist unscharf formuliert und kann bedeuten: 1.) NUR solche Personen sollen das politische Subjekt des Feminismus sein. Oder: 2.) Diese Personen sollen AUCH einen Platz als politische Subjekte des Feminismus bekommen. Die Lösung im Sinne Antje Schrupps ist 2.), was eigentlich allen auch im darauf folgenden Satz hätte klar werden können: ‚Es wäre der Kampf für eine Gesellschaft, in der Menschen AUCH DANN nichts an Einfluss, Macht, Wohlstand und Lebensoptionen verlieren, wenn sie schwanger sind oder kleine Kinder versorgen.‘ (Hervorhebung von mir) [d.h. von eve massacre]“
Diese Lesart kann ich gut nachvollziehen und finde noch einen anderen Punkt im Blogpost von massacre bedeutsam. Sie formuliert einerseits ihr Unbehagen darüber, dass sich „der Tonfall von Trans- und Enby-Queerfeminismus-Twitter in großen Teilen über die letzten Jahre sehr verschärft hat“. Zugleich reflektiert sie mögliche Gründe dafür. Damit greift sie die Frage auf, wie „wir“ im Netz miteinander diskutieren wollen und inwiefern Macht-Ungleichheiten „unsere“ Debatten-Kultur mit beeinflussen. Einen Grund für die scharfen Töne sieht sie darin, dass die Ausgangspositionen ungleich sind, was auch mit verschiedenen Reichweiten der Blogger*innen bzw. Diskutand*innen zu tun hat, also auch mit unterschiedlicher Diskurs-Macht. Von Bedeutung sei auch die Erfahrung von Menschen in marginalisierten Positionen, dass ihre Lebensrealitäten und Argumente immer wieder ignoriert bzw. überhört werden.

Zu der hier nur angerissenen Diskussion gibt es noch diverse weitere Beiträge und zum Beitrag von Antje Schrupp auf 10nach8 finden sich heute 759 Kommentare, auf die ich hier nicht mehr eingehen kann und die, na klar, auch nicht alle aus einer feministischen Perspektive formuliert sind.
Falls ihr noch etwas ergänzen, hinterfragen oder anregen wollt, nutzt gerne die (moderierte) Kommentarspalte unten.

Du sollst nicht vergewaltigen

„Du sollst nicht vergewaltigen“ – dieser Satz steht in großen Lettern mitten in Berlin, vor dem Maxim Gorki Theater, in unmittelbarer Nähe zur Neuen Wache, Humboldt-Universität, Unter den Linden und Deutschem Historischen Museum. Es ist eine Arbeit der in Guatemala lebenden Künstlerin Regina José Galindo. Als Intervention in den öffentlichen Raum wurde der Satz seit 2017 in vielen Städten der Welt präsentiert und war im Rahmen des „4. Berliner Herbstsalons“ am Gorki zu sehen. Im Begleitheft heißt es dazu: „In der Sprache der biblischen Gebote ist der Satz Kritik und Aufforderung zugleich und eindeutig in der Aussage: Du sollst nicht vergewaltigen! Im Gegensatz zu Mord, Diebstahl, Lüge und Gotteslästerung ist sexuelle Gewalt bis heute nicht in den moralischen Kodex kollektiver Ächtung aufgenommen. Der zunächst selbstverständlich anmutende Satz macht dies eindrücklich deutlich“.
Der Internationale Tag zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen* wurde 1981 auf dem ersten lateinamerikanischen Frauenkongress ins Leben gerufen. Seitdem protestieren Feminist*innen am 25. November weltweit gegen sexualisierte, häusliche, digitale und andere Formen der Gewalt, sie sich gegen Mädchen*, Frauen*, trans*, inter* und nicht-binäre Personen richtet. Aktuell ruft z.B. das Bündnis internationalistischer Feministinnen* Berlin zu einer Demonstration u.a. gegen Abschiebungen und Femizide (Frauen*morde) auf.
Seit 2017 setzt sich die Kampagne #keinemehr in Deutschland gegen Frauen*morde und Gewalt gegen Frauen* ein. Die Kampagne tritt dafür ein, dass auch hierzulande der politische Begriff  Feminizid verwendet wird: „Damit wollen sie sichtbar machen, dass Männer Frauen* töten. Dass das keine vereinzelten Familiendramen oder Eifersuchtsmorde sind. Und dass die deutsche Gesellschaft mitverantwortlich ist, dass dies geschehen kann. Dazu gehört auch die mediale Berichterstattung.“ (s. Website #keinemehr).
Auch an der ASH Berlin, an der ich arbeite, wird es rund um den 25.November Veranstaltungen geben.
Bereits im Oktober luden Frauen*rat und Frauen*beauftragte der ASH Berlin zu einer Veranstaltung mit unserer Kollegin Prof. Charlynne Curiel von der Partneruniversität „Autonome Universität von Oaxaca (UABJO)“ in Mexiko. In ihrem Vortrag zur Diskriminierung von Frauen* an mexikanischen Hochschulen gab sie einen Einblick in das Kontinuum der Diskriminierung und Gewalt, die den Alltag von Frauen* im mexikanischen Wissenschaftsbetrieb prägen. Sie berichtete aber auch von den Strategien der Gegenwehr, die Studierende und Beschäftigte an den Hochschulen entwickeln, um Diskriminierung und Gewalt öffentlich zu machen und um wirksame Präventions- und Sanktionsmaßnahmen zu fordern.
Die Proteste an den Hochschulen stehen auch in Verbindung mit landesweiten Protesten von Feminist*innen gegen Vergewaltigungen und sexualisierte Übergriffe. Darum ging es dann ausführlicher bei einer Veranstaltung mit Charlynne Curiel im Aquarium am Kottbusser Tor und in einem Interview mit ihr im Nachrichtenpool Lateinamerika. Die Feminist*innen nutzen neben „analogen“ Protestformen wie Kundgebungen, Plakataktionen und Demonstrationen auch digitale Formen, indem sie über die Sozialen Medien Öffentlichkeit herstellen und mit Hashtags wie z.B. “#yo si te creo” (#ich glaube dir) oder “#si nos tocan a una respondemos todas” (#wenn sie ein von uns anfassen, reagieren wir alle) für ihre Demos mobilisieren.
Anhand des Blogs Feminismos en Debate konnten wir z.B. an der ASH Berlin seit 2017 nachvollziehen, wie die feministische Gruppe MUOVAS in Oaxaca auf sexualisierte Gewalt an unserer Partnerhochschule UABJO aufmerksam machte und von der Hochschulleitung u.a. forderte, einem Vergewaltigungsvorwurf gegen einen Dozenten ernsthaft nachzugehen.
Die digitalen Medien sind einerseits ein wirksames Werkzeug für das Engagement gegen Diskriminierung und Gewalt. Gleichzeitig ist das Internet bekanntermaßen auch ein Raum, in dem Übergriffe und Gewalt gegen Frauen* passieren, so dass die feministischen Internet-Nutzer*innen vor der Herausforderung stehen, Strategien der digitalen Selbstverteidigung zu entwickeln. Dazu findet ihr hier ein spannendes Interview mit Dr. Marcela Suárez Estrada, die im Rahmen des DiGiTal-Programms zu feministischer Politik in Mexiko und digitaler Gewalt forscht.
Für diejenigen, die Spanisch sprechen, sei der 30-minütige Dokumentarfilm „Nosotras” („Wir“) über sexualisierte Diskriminierung und Gewalt in Mexiko sehr empfohlen.

Was ist los auf den feministischen Blogs?

So Einiges! Also kommt hier jetzt eine kleine „klassische“ Blogschau. Über die folgenden Blogposts bin ich im Juni in der feministischen Blogosphäre (unter anderem) gestolpert. Ich fand sie spannend, berührend, aufwühlend und wichtig und möchte sie deshalb weiterempfehlen:

Es ist Sommerzeit, für einige Leute heißt das Urlaubs- und Festivalzeit. Laura Gehlhaar war in Weimar und Erfurt unterwegs – lest hier ihren erhellenden und inspirierenden Reisebericht „100 Jahre Bauhaus – barrierefrei durch Erfurt und Weimar“. Während Laura auf den Spuren der Bauhaus-Frauen durch Weimar und Erfurt tourte, rockt Nadia Shehade mit einer „female festival task force“, also mit weiteren Blogger*innen, das Roskilde-Festival in Dänemark. Nadia und Kolleg*innen berichten für die Blog-Rebell*innen über das Event – aus feministischer Perspektive versteht sich.
Vor der Ferienzeit endet für einige Blogger*innen das Semester oder Schuljahr. Eine, die viele ist, hat ihren Abschluss gemacht (Herzlichen Glückwunsch!), genauer gesagt: zwei Abschlüsse zugleich. Der Text „so nah dran“ hat mich sehr berührt und zum Nachdenken angeregt. Ich gratuliere zum Berufsabschluss und Fach-Abi!
Bestürzt, wütend und traurig war ich, als ich bei den Women in Exile vom Tod von Rita Awour Ojunge las. Die Kenianerin lebte als Asylbewerberin im Flüchtlingsheim Hohenleipisch (im Landkreis Elbe-Elster), verschwand dort vor ca. zwei Monaten und wurde erst kürzlich in der Nähe des Heims tot aufgefunden. Women in Exile fordert Aufklärung und die Schließung des Heimes, das sehr abgelegen liegt und für die Bewohner*innen nicht sicher ist.
Vom 26.-29. Juli veranstalten Women in Exile & Friends das „Building Bridges“ Festival in Berlin. Wer Lust hat, dabei zu sein, zu unterstützen oder für das Projekt zu spenden, findet hier weitere Informationen.
Ende 2016 hat der Berliner Senat die Stelle einer Antidiskriminierungsbeauftragten für Schulen eingerichtet und mit Saraya Gomis besetzt. Ein bundesweit vielbeachteter und wichtiger Schritt. Saraya Gomis war als Antidiskriminierungsbeauftragte die erste Schwarze Frau in einer Leitungsposition in der Berliner Senatsverwaltung. Bedauerlicherweise ist sie nun von ihrem Amt zurück getreten. Mit den Gründen für diesen Rücktritt beschäftigt sich Maisha Auma in einem Blogpost auf der Website von Generation Adefra (Adefra e.V. – Schwarze Frauen in Deutschland). Maisha erläutert darin auch, weshalb Adefra und die Fachgruppe „Diversifying Matters“ eine unabhängige Ombudsstelle „Diskriminierungskritische Schulberatung – Monitoring und Beschwerdemanagement“ fordern.
Der Monat Juni ist der Monat von GayPride, CSD und LGBT/Queer. Mit dem Jubiläum „50 Jahre Stonewall“ beschäftigt sich Magda von der Mädchenmannschaft (Stonewall was a Riot) und das Blog des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der HU Berlin (Den Jahrestag sollten wir politisch nehmen).
Das war’s erst einmal von meiner Seite für den Juni.
Wie immer gilt: wenn ihr noch Tipps und Hinweise habt, z.B. zu feministischen Blogs und spannenden Blogposts, oder auch einfach so, z.B. Anmerkungen, Feedback und Kritik: ich freu mich drüber!

Bloggen für ein feministisches Europa

Heute früh dachte ich noch: „Hmm, vielleicht stimmt es doch, dass Blogs vom Aussterben bedroht sind“. Auf vielen Blogs ist es still im Moment, Debatten und Aktivismus finden auf der Straße und in anderen (sozialen) Medien statt. Seit den Fridays For Future Demos und jetzt mit dem Video des YouTubers Rezo („Die Zerstörung der CDU“) sind „die Jugend“ und ihre Kritik an der Klimapolitik DAS Thema in den Medien. Dazu hat Kübra Gümüşay einen treffenden Thread geschrieben – nicht auf ihrem Blog, sondern – logisch – auf Twitter. Sie vertritt die These, dass die jungen Leute „gegen die Aufmerksamkeitsdiktatur der Rechten“ rebellieren. Sie haben es geschafft, so die Bloggerin, wieder Themen auf die Agenda zu setzen, die die Gesellschaft zusammen bringen können, statt sie zu spalten. Themen, die helfen, Zukunft gemeinsam und konstruktiv zu gestalten.
Wir sind ja mitten im Europa Wahlkampf (also hier in Europa – anderswo sind andere Themen dran, klar…) und da stellt sich die Frage, wie wir (Europäer*innen und alle, die hier leben,) weiter am „gemeinsamen Haus“ Europa bauen wollen. Soll es eine „Festung“ sein, in der weiterhin billigend, zynisch und menschenverachtend in Kauf genommen wird, dass Menschen an ihren Grenzen sterben? So wie (nicht nur) die AFD und Rechtspopulisten aus anderen europäischen Ländern es wollen…
Oder soll es ein ökologisch vernünftiges und verantwortliches, ein sozial gerechtes und diskriminierungsfreies, also ein inklusives, demokratisches und menschenrechtlich fundiertes Europa sein?
Nun, die Debatten um diese Fragen scheinen gerade nicht auf den feministischen Blogs statt zu finden, deshalb dachte ich heute früh noch: „Vielleicht sterben sie ja aus?“
Doch da erreicht mich über Twitter ein Hinweis auf den internationalen, englischsprachigen Blog „Young Feminist Europe“. Hier schreiben junge Europäer*innen über ihre Vision eines gender-gerechten Europa. Ihr Feminismus-Verständnis ist ein intersektionales, d.h. sie berücksichtigen die Verschränkungen des (Hetero-)Sexismus mit anderen Diskriminierungsformen. Auf ihrem Blog wollen sie allen, die sich als Frauen* identifizieren sowie nicht-binären Menschen eine Plattform für den Austausch und für Graswurzel- und digitalen Aktivismus bieten.
Lest doch mal rein: ihr findet dort spannende Posts z.B. zu der Frage „Wie kann ich für ein ökofeministisches Europa stimmen?“ oder „Warum kann meine Stimme für ein feministisches Europa dazu beitragen, der Krieg der italienischen extremen Rechten gegen Frauen zu beenden?“ (Die Beiträge sind auf Englisch, ich habe mir erlaubt, die Titel frei und auf die Schnelle zu übersetzen.) Hier geht’s zum Themenschwerpunkt „Why Europe Needs Feminism“ (Warum Europa Feminismus braucht) des Blogs „Young Feminist Europe“.

Bloggen um des Bloggens Willen

Nun bin ich schon zwei Monate im Verzug… Ich wollte doch einmal monatlich einen Beitrag posten. Hm, das hat wohl nicht geklappt. Hab ein paar Beiträge angefangen und wieder verworfen. Habe in vielen Blogs „gestöbert“ und manches Mal den Wunsch verspürt, einen Kommentar zu hinterlassen und es dann doch nicht getan…
Vielleicht merkt ihr es schon: ich bin kein Digital Native und ziemlich ungeübt im Schreiben im Netz. Ich poste nur SEHR selten mal einen Kommentar, von Bildern, Gifs u.ä. ganz zu schweigen Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram und Twitter sind für mich immer noch Neuland (Angela Merkel lässt grüßen). Abgesehen davon, dass ich noch nicht so wirklich raus habe, wie ich diese Anwendungen nutzen und gleichzeitig meine Privatsphäre schützen kann. Werde also demnächst mal zu einer Cryptoparty gehen, um mich schlau zu machen. Vielleicht treffen wir uns dort?

Dieses Blog ist mein Übungsfeld. Ich blogge hier erstmal für mich.
Da freut es mich, bei Antje Schrupp zu lesen, dass sie ihre Blogposts auch für sich selbst schreibt, sozusagen als Gedankenstütze für diesen Gedanken oder jenes Argument.
Mir geht es um die Erfahrung, selbst zu bloggen: Wie fühlt es sich an, eigene Texte ins Netz zu stellen?
Ich beobachte mich selbst bei dieser digitalen Schreibpraxis und führe darüber ein autoethnografisches Tagebuch (offline, ganz privat;), das ich später auswerten werde.
Bei der feministischen Sommeruni 2018 erzählte eine* Bloggerin: „Und dann hab ich den Blog erstellt und alle eingeladen, mich dort zu besuchen – und dann kam keiner. Das war ganz schön frustig.“
Was passiert da mit mir und auf dem Blog, wenn ich einen Text poste und dann Reaktionen darauf bekomme – oder auch keine Reaktionen…? Ich habe bisher gefühlt 50 Spam-Kommentare gelöscht. Wenn ich nachzähle, komme ich auf 32. Das finde ich nicht so schlimm. Immerhin sind keine Hasskommentare dabei.
Als ich dann aber vor ein paar Tagen per Email eine erste reale, interessierte und freundliche Reaktion auf den Blog bekam, hab ich mich SEHR gefreut. Und ich hab den Blog der besagten Bloggerin sehr gerne in meinen Blogroll aufgenommen. Denn darum geht’s mir ja auch: auf die diversen feministischen Blogs zu verlinken, diese Infos mit euch zu teilen und mir damit zugleich einen Überblick über die feministische Blogosphäre(n) zu verschaffen.

Perspektivisch würde ich hier natürlich auch gern in einen Austausch mit euch treten. Mein „großes Vorbild“ ist da zum Beispiel Sara Ahmed, die parallel zu ihren Forschungsvorhaben bloggt und die die Online-Dialoge mit ihren Leserinnen auch in ihre Forschung einfließen lässt. Ihren (englischsprachigen) Blog www.feministkilljoys.com kann ich sehr empfehlen. Darin geht es u.a. um die Figur der feministischen Spaßverderberin (feminist killjoy) und um die Frage, was es heißt bzw. heißen kann, ein feministisches Leben zu leben. Aktuell beschäftigt sie sich mit Beschwerden, z.B. im Kontext von Anti-Diskriminierungs-, Gleichstellungs- und Diversity Arbeit – auf dem Blog finden sich sehr spannende Posts, u.a. der Vortrag „Refusal, Resignation and Complaint“, den sie im Juni 2018 beim Symposium „Colonial Repercussions“ in der Akademie der Künste, Berlin, gehalten hat.

Okay, mal schau‘n, wie mein Blog sich weiter entwickelt. Ich will in jedem Fall regelmäßiger bloggen. Und ich sollte vor allem wohl auch mal online mit anderen Bloggerinnen, (also mit einigen von euch;) in Kontakt treten… Davor scheue ich noch zurück. Warum eigentlich? Vielleicht bin ich (noch) zu schüchtern? Außerdem frage ich mich: Will ich diesen Austausch denn öffentlich? Für alle zum Mitlesen?

… Jetzt habe ich gerade drei Minuten inne gehalten und nachgedacht. Dabei habe ich diese Antwort an mich selbst in mir selbst gefunden bzw. ich bringe sie jetzt gerade schreibend hier hervor: Okay, du scheust dich davor und es ist dir unheimlich. Aber da bist du nicht allein, das geht vielen anderen auch so. Und die tun es trotzdem. Es ist Teil der Übung, Teil des Spiels, Teil des digitalisierten Lebens. Und eine neue Möglichkeit, die du bisher so nicht hattest.
Du? Ich.
Ja, ich werde es ausprobieren. In diesen Tagen. Und euch berichten. Oder vielleicht sehen bzw. schreiben wir uns ja auch hier: unten, in der Kommentarspalte. Würde mich freuen;)!

Unbezahlte Arbeit, die dein Leben und die Gesellschaft auf den Kopf stellt?

Was heißt es, feministisch zu bloggen? Vor welche Herausforderungen stellt es dich? Wann und warum macht es dir Spaß? Und was kann es – privat und politisch – bewirken? Dies sind einige der Fragen, die sich hier im Blog und im Projekt „feministisch bloggen“ stellen.
Feministische Blogger_innen reflektieren über die Praxis des Bloggens und formulieren vielfältige Antworten auf diese Fragen. Im April 2017 schrieb beispielsweise Melanie von femgeeks:
„Ein feministisches Blog zu betreiben ist (unbezahlte) Arbeit, auch wenn es sich nicht durchgehend so anfühlt.“
In ihrem Blogpost fragt sie „Was ist los mit den feministischen Blogs“ und erklärt sich die Stagnation in ihrem eigenen Bloggen und auch auf anderen Blogs unter anderem damit, dass nicht in jeder Lebensphase die überschüssige Energie da ist, um in der Freizeit Blogposts zu schreiben. Und wenn dann noch Hasskommentare auf dem Blog eingehen, die eigenen Posts aber ansonsten im schnellen und unüberschaubaren Internet untergehen, weil die Würdigung durch andere ausbleibt, … wenn die Ernüchterung angesichts der Kontroversen und Konflikte in „der“ feministischen Blogosphäre (bzw. Szene bzw. Bewegung) einsetzt … und wenn andere Dinge im Leben gerade wichtiger (und motivierender) sind, dann kann das Bloggen schon mal nachlassen …
Aber, wie Lucie von KleinerDrei schreibt:
„Blogs werden ja immer wieder totgesagt, aber ich bin da optimistisch. Ob nun in Blogs oder Online-Magazinen oder Podcasts, ich kann es euch nur dringend empfehlen, sich zusammenzufinden und im Internet die Dinge und Themen zu teilen, die euch am Herzen liegen. IT COULD CHANGE YOUR LIFE!“
Sie schreibt dies und verabschiedet sich damit gleichzeitig von KleinerDrei, die (aus nachvollziehbaren Gründen, aber LEIDER!) im letzten Dezember ihren „Betrieb“ eingestellt haben. Hier könnt ihr die Abschiedsworte der Blogger_innen von KleinerDrei nachlesen und darin einiges darüber erfahren, inwiefern feministisches Bloggen glücklich machen und das Leben verändern kann.
Was es auf gesellschaftlicher Ebene bewirken kann, das resümiert Anne Wiezorek, Gründerin von KleinerDrei und (Mit-)Initiatorin von #aufschrei und #ausnahmslos in ihrem AbschiedsPost:
„Außerdem hat sich die deutsche Medienlandschaft in den letzten fünf Jahren noch mal einschneidend verändert was Feminismus angeht. Die Orte, an denen feministisch und über feministische Themen geschrieben wird, sowie die Autor_innen die das tun, sind immer noch nicht genug, aber doch zahlreicher geworden. Das ist wirklich richtig gut und auch wir haben hier schließlich unseren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen.“
Vielen Dank dafür, liebe KleinerDreis und toi toi toi für eure neuen Projekte und weiteren Wege!
Wie zum Beispiel die Mädchenmannschaft die Wirkung ihres Gemeinschaftsblogs einschätzt und wie sie (im Oktober 2017 zum 10-jährigen Bestehen des Blogs) über feministisches Bloggen reflektieren, könnt ihr hier nachlesen und nachhören.
So wie die Mädchenmannschaft, femgeeks und Melanie bloggen noch viele andere Blogger_innen (zum Glück) fröhlich und feministisch weiter … und apropos „unbezahlte Arbeit“ – vielleicht sehen wir uns auf einer der vielen Aktionen zum internationalen Frauen*kampftag am 8. März, wenn wir (gemeinsam mit vielen Anderen, weltweit) bezahlte und unbezahlte Arbeit bestreiken. Oder was machst du am 8. März? #ichstreike

Feministische Blogosphäre – wundersamer Ort

2017 schrieb die Bloggerin Nadia Shehadeh in einer Broschüre der Zentralen Frauenbeauftragten der TU Berlin über das Bloggen:

„Anfangs war die deutsche Blogosphäre für mich ein wundersamer Ort, um mich mit Gleichgesinnten zu vernetzen, Ideen auszutauschen und einfach alles in Textform ins Netz hochzuladen, das mir durch den Kopf schoss. Ich war unterwegs in einer aufregenden Bewegung, die durch Technik miteinander verbunden war und konnte das tun, was ich schon immer wollte: schreiben.“ (S. 11)

Diese Sätze habe ich zum Ausgangspunkt genommen, um im Gendermagazin „Quer!“ des Frauen*büros der ASH Berlin über den Zusammenhang von Bloggen und Empowerment nachzudenken. Dabei interessiert mich, inwiefern das Lesen, Schreiben und Veröffentlichen von feministischen Blogposts als ermutigend und  ermächtigend empfunden wird und ob es auch Kooperations- und Organisierungsprozesse anstoßen kann. Gleichzeitig geht es um die Frage, inwiefern das „Unterwegs-sein“ im Internet (z.B. aufgrund der auch dort ausgetragenen Bewegungs-internen Konflikte oder aufgrund von Hate-Speech und Shit-Storms) als ent-mutigend und als (zu) große „Challenge“ oder Zumutung betrachtet wird. Wie die Blogger_innen mit diesen Herausforderungen des Netzes und des feministischen Bloggens umgehen, kann ich in dem Beitrag nur andeuten und verspreche hiermit schon einmal eine Fortsetzung…;).

Die besagte aktuelle Ausgabe der Quer! zum Schwerpunkt „Super! Power! Gender, Übernatürliches und Magie als die Erzählungen des ‚Anderen'“ ist mit vielen spannenden Beiträgen u.a. zu Afrofuturismus, Fanfiction und Revolution überhaupt sehr zu empfehlen. Ihr findet sie hier.

Bloggst du feministisch?

Wie bloggst du?
Wozu bloggst du?
Und (wie) veränderst du dich, wenn du bloggst?
… oder weil du bloggst?
Um diese und weitere Fragen geht es in meinem Promotionsprojekt
mit dem Arbeitstitel „Feministisch bloggen: politische Interventionen in die digitale Öffentlichkeit?“,
das im Rahmen des DiGiTal-Programms gefördert wird.
Das DiGiTal-Programm wird ermöglicht durch das Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre (BCP).

Dieses Weblog begleitet mich im Forschungs- und Schreibprozess.
Es ist meine virtuelle Tür zur feministischen Blogosphäre.
Und es soll euch Einblicke in das Projekt ermöglichen:
in monatlichen Blogposts werde ich ab Januar 2019 direkt aus dem Forschungsprozess berichten.

Ihr findet hier außerdem einen Blogroll mit feministischen Blogs aus dem deutschsprachigen Raum und weiteres Material zum feministischen Bloggen und zum feministischen Internet.

Für Rückfragen und Tipps könnt ihr gerne Kontakt aufnehmen.
Ich freue mich auf euch!